www.wartburgpeter.de
Reparatur Radio JVC Chameleon KD-LX555R
19
2009
Heute eine kleine Bastelei, die nur so viel mit Wartburg zu tun hat, als das es sich um mein Autoradio handelt.
Ich kaufte es vor einigen Jahren, gebraucht. Wie sagt man so schön: es war Liebe auf den ersten Blick. Genau so habe ich mir ein Autoradio für den Tourist vorgestellt. Im abgeschalteten Zustand einer einfachen Abdeckung/ Blende nicht unähnlich.
Nun hatte es immer öfter eine Macke. Es verfügt über 2 bewegliche Frontbereiche: das Display, welches hoch- und herunterfahren kann, um den CD-Schacht freizugeben und eine Tastatur die ausklappt oder ganz nach innen gezogen wird, damit das Display Platz zum Bewegen bekommt.
Es brauchte oft mehrere Anläufe, damit man eine CD einlegen und entnehmen konnte. Die Tastatur bewegte sich einwandfrei, das Display jedoch nicht. Statt dessen hörte man nur den Motor innen vergeblich arbeiten.
Was ist kaputt? Ein Zahnrad geplatzt?
Auf der Suche im Internet zu Reparaturmöglichkeiten etc. fanden sich leider nur Hinweise in diversen Foren, die ähnliche Fehlerbilder offenbarten. Ein Serienfehler? Ein übersensibles Radio? Schrott?
Es gibt eine Reparaturwerkstatt, jedoch darf man gleich vermuten, daß eine Reparatur kaum wirtschaftlich zu nennen ist. Für kaum 70 Euro bekommt man ein Radio, daß mehr Features aufweist - nur leider nicht so schick verpackt.
Was soll's, kaputt ist es eh, die Tastatur fährt nicht mehr aus, ein Motor schnurrt im Inneren, nach einer Weile gibt es den Fehlercode "Error 25" oder "Error 32" oder sonst etwas. Klemme ich irgend wann die Batterie ab, kann ich nicht einmal einen Code zur Aktivierung eingeben...
Neugierig wie ich bin, will ich also wissen, was da kaputt ist: ein Zahnrad, ein Endlagenschalter?
Diese Schrauben sind zu lösen.
Das Radio läßt sich nun in zwei Hälften auseinander ziehen. Das Oberteil mit dem CD-Player geht erst einmal außer Reichweite.
Auf den folgenden Bildern sind zur Demontage die Stellen markiert:
- A - Flachbandkabel für die Tastatur: Kragen der Steckfassung etwas anheben und Flexkabel herausziehen
- B - Flachbandkabel für das Display: Kragen der Steckfassung etwas anheben und Flexkabel herausziehen
- C - Anschluß Servomotor (2x)
- D - Befestigung der Platine (3x)
- E - Befestigung Displaybrücke (2x links, 2x rechts)
- F - Befestigung Führungsschiene der Tastatur (1x)
- G - Befestigung Display an der Mechanik (2x rechts, 2x links)
Zusammenbau später in umgekehrter Reihenfolge.
Meine Vermutung, ein Zahnrad sei geplatzt und rutscht nun, hat sich zum Glück nicht bestätigt.
Schnell konnte ich feststellen, daß das Problem nicht durch den Tastaturantrieb und die Mikrotaster 0 (Ruhelage), 1 (ausgeklappt) und 2 (eingezogen) verursacht wird. Diese Teile Arbeiten alle einwandfrei.
Im übrigen ist der gesamte Aufbau erstaunlich robust, geradezu massiv ausgeführt. Die Getriebe verfügen alle über eine Rutschkupplung. Ein Defekt am Antrieb für das Display war auch nicht zu erkennen.
Die kleinen Servomotore lassen sich separat mit einer externen Stromversorgung (z.B. Flachbatterie, 4,5V) gut prüfen, wenn man deren Verbindungskabel gelöst hat.
Linke Seite, Antrieb des Displays.
Woher weiß die Mechanik, daß sie das Display von einem zum anderen Ende bewegt hat? Keine Mikrotaster zu sehen, die vielleicht defekt sind!
Displaybrücke abgenommen. Die Platine läßt sich nun herausnehmen. Neben dem Mikrotaster (2) wird die Platine mit einer Metallnase (blauer Kreis im dritten Bild oben) in der richtigen Position gehalten. Bei Montage/ Demontage ist darauf zu achten.
Hier werde ich fündig. Von außen sieht es aus, wie ein magnetischer Kontakt. Es könnte auch eine Reflexlichtschranke sein...
Also noch 4 Schrauben (G) gelöst.
Ah, zwei Reflexlichtschranken in SMD-Technologie!
Und was sehe ich da?! Ich muß das mal deutlicher zeigen...
Da klebt ein kleines Samenkorn auf dem "Spiegel" der Reflexlichtschranke.
Das darf doch nicht wahr sein?! Das kleine geflügelte Körnchen, fliegt ins Auto, durch einen Spalt ins Radio und landet ausgerechnet hinter dem Display auf einen 5 Millimeter großen Metallzünglein?
Kaum zu glauben. Aber die Mißfunktion ist leicht erklärlich. Die Elektronik bekommt kein Signal für den Vollzug des Displayverstellens und wartet, während sie den Motor munter laufen läßt, bis das Signal kommt. Der Motor hingegen bemüht nur noch die Rutschkupplung im Getriebe. Das Display ist längst am Ende angelangt. Es gibt jedoch kein End- oder Umkehrsignal, bevor der vorausgegangene Vorgang korrekt abgeschlossen ist. Die Elektronik hat ja keine Ahnung...
Ein Timer beschert nach X Sekunden schließlich den Abbruch der Aktion, die Software gibt brav den Errorcode aus.
Weil ich überzeugt bin, die Situation richtig eingeschätzt zu haben, nehme ich das Körnchen zur Seite und baue das Radio wieder zusammen.
Versuch macht klug.
Am Ende kann ich vom Erfolg berichten: Das war der ganze Fehler. Ein kleines Körnchen aus dem Schoße von Mutter Natur im großen Getriebe der technischen Entwicklung - und nix geht mehr.
Nun funktioniert wieder alles reibungslos und ich kann munter CD's ein- und auslegen. Kosten gespart, Schickes Radio erhalten, Werkstatt und Neukauf vermieden und dabei schön Spaß gehabt.